November 2005 – Selbstbehauptungstraining
für Mädchen und Jungen

“Komm mal her, ich habe ein ganz kleines Hundebaby im Auto. Bestimmt magst du das mal sehen.” Doch das kleine Mädchen, das von dem ‚Autofahrer’ so freundlich angesprochen wird, möchte den kleinen Hund offenbar nicht sehen; statt dessen läuft es schnell weg. Auch der kleine Junge, der wenig später von einem ‚Passanten’ bedrängt wird, sagt mit ernstem Gesicht: “Ich kenne Sie nicht! Lassen Sie mich in Ruhe.”

Wenn, wie in dieser gestellten Szene, Unbekannte Kinder ansprechen, kann es zu gefährlichen Situationen kommen.

Gelernt ist gelernt; und Rollenspiele wie diese gehörten zu den festen Programmpunkten des Selbstbehauptungstrainings, das am vergangenen Samstag zum letzten Mal im gegenwärtigen Semester der VHS in den Räumen der Sportschule Isken absolviert wurde.

Seit über 20 Jahren arbeiten die heimische Sportschule und die VHS inzwischen erfolgreich zusammen; der letzte Kurs war aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs allerdings speziell auf die Gruppe der 7-14-Jährigen zugeschnitten: Gezielt gegen Kinder und Jugendliche gerichtete Gewalt, Belästigungen und Übergriffe sind auch in unserer Region leider keine Seltenheit mehr.

Aufgrund der großen Nachfrage entschied sich deshalb Helmut Isken, der Leiter der heimischen Sportschule, in Absprache mit der VHS, die zunächst geplante Teilnehmerbegrenzung von 15 auf 25 zu erhöhen. Um dennoch eine optimale Betreuung für alle Interessierten zu gewährleisten, sprang kurzerhand Ralf Schlaak, der seit über 20 Jahren in der Sportschule Isken die Selbstverteidigungssportart Hapki-Do praktiziert und darüber hinaus seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Trainer dort tätig ist, als Co-Trainer ein. Die Teamarbeit der beiden erfahrenen Trainer zahlte sich aus; auch die zahlreich erschienenen Eltern, die der Einladung, sich vom erlernten Können ihrer Kinder zum Abschluss des 8-wöchigen Kurses selbst zu überzeugen, gefolgt waren, zeigten sich entsprechend begeistert.

Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass selbstbewusst auftretende Kinder und Jugendliche seltener Opfer von Straftätern werden; selbstbewusste Kinder strahlen offensichtlich eine Souveränität aus, die u.a. dazu führt, dass sie von ihren Mitmenschen akzeptiert und anerkannt werden.

Entsprechend standen im Zentrum des Kurses Situationen, in denen sich Kinder unwohl fühlen; daneben setzten sich Helmut Isken und Ralf Schlaak in Zusammenarbeit mit den jungen Teilnehmern mit den durchaus verschiedenen Formen von Angriffen und Übergriffen auseinander, um die Stärken der Kinder zu erkennen und entsprechende Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und zu üben.

Dabei konnten auch die eingangs bereits erwähnten Rollenspiele den Kindern eine wichtige Anleitung zum richtigen Verhalten bieten; insbesondere den Jüngsten fiel es zunächst nicht leicht, eine klare Position zu beziehen.

Helmut Isken aber weiß, dass es im Falle der tatsächlichen Belästigung eines Kindes durch einen Fremden sogar für mögliche Zeugen schwierig sein kann, zu entscheiden, ob es sich nur um eine familieninterne Auseinandersetzung oder um einen wirklichen Übergriff handelt; die Teilnehmer des VHS-Kurses lernten deshalb, in einem solchen Fall laut zu rufen:

“Ich kenne Sie nicht! Lassen Sie mich in Ruhe!”, um im Ernstfall die Aufmerksamkeit der anwesenden Erwachsenen auf sich zu lenken und diese zum Einschreiten zu animieren.

Auch die Körpersprache stand durchaus zur Debatte; als wichtigen Faktor zur Prävention von Übergriffen benennt Helmut Isken jedenfalls den Grundsatz: Brust raus, Kopf hoch und mit geradem Blick und lauter Stimme sagen: “Nein, das will ich nicht!”

Grundsätzlich möchte der aktive Kampfsportler in erster Linie auch explizit Gewaltprävention betreiben, denn: “Konflikte sind nicht durch Karateschläge zu lösen.”

So ging es ihm vor allem um die Thematisierung und den richtigen Umgang mit besonderen Gefahrenquellen, wie z.B. den Umgang gegenüber fremden Menschen, die das jeweilige Kind ansprechen bzw. an der Tür schellen oder anrufen.

Daneben wurden – selbstverständlich – auch einfache, aber höchst effektive Techniken aus dem Selbstverteidigungsprogramm der Sportschule Isken gelehrt und eifrig geübt, die jedoch nur im absoluten Notfall anzuwenden sind. Darauf legt Helmut Isken viel Wert.
Dass allerdings die jungen TeilnehmerInnen insbesondere an diesem praktischen Teil des Lehrprogramms viel Freude zeigten, liegt auf der Hand.

Die richtige Mischung macht’s offenbar – Eltern und Kinder zeigten sich jedenfalls gleichermaßen begeistert von dem absolvierten Kurs.

Die “Junge VHS” - Kurse für Kinder und Jugendliche

Jedem Streit aus dem Weg gehen, lautet die Maxime, die Helmut Isken, Leiter der gleichnamigen Sportschule, die bereits auf eine 26-jährige Hemeraner Vergangenheit zurückblicken kann, seinen Schülern zu vermitteln sucht. Seit 22 Jahren kooperiert die Schule daher auch mit der VHS Menden.

Aufgrund der zunehmenden Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, die sowohl auf der Straße als auch in schulischen Einrichtungen deutlich zugenommen hat, hat die Sportschule mittlerweile ein spezielles Konzept für die Altersgruppe der 7-14-Jährigen entwickelt, das vor allem präventiv wirken soll, indem es auf besondere Gefahrenquellen aufmerksam macht und entsprechende Vermeidungsstrategien vermittelt.

In diesem Semester hat Helmut Isken einen weiteren Kurs für die VHS geleitet; aufgrund der großen Nachfrage tatkräftig unterstützt von Ralf Schlaak, einem weiteren langjährigen Trainer der Hemeraner Sportschule: 24 Mädchen und Jungen haben regelmäßig an der 8-wöchigen Veranstaltung teilgenommen und mit Feuereifer einfache, aber höchst effektive Abwehrtechniken gegen Würgeangriffe, Schläge, Tritte, Umklammerungen und verschiedene Varianten des berühmt-berüchtigten “Schwitzkastens” geübt. Besonderer Beliebtheit hat sich vor allem das ergänzende Training an Schlagpolstern erfreut.

Ein weiteres Standardelement des Selbstbehauptungstrainings sind jedoch eigens entworfene Rollenspiele, in denen die jungen TeilnehmerInnen neben selbstbewusstem Auftreten vor allem das Setzen eindeutiger Signale erlernen sollen: Für Nichtbeteiligte ist es mitunter schwierig, Situationen richtig einzuschätzen und zwischen dem Ernstfall und familiären Auseinandersetzungen zu unterscheiden. Im Falle eines tatsächlichen Übergriffs kann  eindeutige Körpersprache und laute Stimme daher von signifikanter Bedeutung sein; Passanten werden auf das Geschehen aufmerksam.

 

“Ich kenne Sie nicht. Lassen Sie mich in Ruhe!”, ruft ein kleines Mädchen bei der abschließenden Präsentation, zu der Eltern, Geschwister und Großeltern eingeladen waren, und sieht Helmut Isken mit ernstem Gesicht  an. Der hatte den ‘netten Onkel’ simuliert und die Kleine zunächst eingeladen, sein angeblich im Auto wartendes Hundebaby zu streicheln und dieser Aufforderung später Nachdruck verliehen, indem er das Kind am Arm gefasst hatte.
Auch mögliche Situationen am Telefon oder der eigenen Haustür sind im Verlauf des Kurses zur Sprache gebracht  und Lösungsmöglichkeiten gemeinsam erarbeitet worden.Schon das ‘Nein’-Sagen in entsprechenden Situationen will durchaus geübt sein, wissen die erfahrenen Trainer; leicht fällt dies nämlich vor allem schüchternen Kindern nicht.

Da Gewalt ein immer größeres Thema in der Gesellschaft wird müssen Kinder lernen, sich zu verteidigen.


Dass es hier eben nicht allein um das Erlernen von Kampfsporttechniken geht, überzeugt sowohl die Verantwortlichen der VHS als auch die Eltern der teilnehmenden Kinder: Die anwesenden Mütter und Väter teilen die Begeisterung ihrer Kinder durchaus, zumal hinter dem Trainingskonzept eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem ernsthaften Thema steht, die sich vor allem in den theoretischen Einheiten widerspiegelt: Weder werden unnötige Ängste oder übertriebenes Misstrauen, erst recht kein aggressives Verhalten in Kindern geweckt oder forciert, aber ein waches Bewusstsein für mögliche Gefahrensituationen im kindlichen Alltag geschaffen. Auch müssen sich gerade schüchterne Kinder ihres Selbstwertes bewusster werden, zumal selbstbewusst auftretende Menschen Staftätern weitaus seltener zum Opfer fallen als unsichere.

“Wir haben hier selber umdenken und unser früheres Training den neuen Anforderungen anpassen müssen”, sagt Helmut Isken, der seit 36 Jahren im Selbstverteidigungssport aktiv ist.

Tatsächlich erscheint das Projekt aufgrund seiner Vielseitigkeit höchst effektiv. Unter den Kindern herrscht indes Einigkeit darüber, dass der Kurs vor allem viel Spaß gemacht hat.

 

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